Katholische Jugend fordert Auseinandersetzung mit fundamentalistischen Tendenzen
(Speyer, 15.06.2026) Zunehmend verbreiten sich fundamentalistische Inhalte über Social Media. Sogenannte Christfluencer*innen verbinden persönliche Lebenseinblicke mit religiösen und politischen Botschaften und erreichen damit insbesondere junge Menschen. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Speyer sieht hier konkrete Auswirkungen auf junge Menschen und deren Werteentwicklung und forderte deshalb am Wochenende auf seiner Diözesanversammlung eine klare Auseinandersetzung.
Als religiös fundamentalistisch werden allgemein Positionen bezeichnet, die u.a. eine starre Auslegung religiöser Texte propagieren, Pluralismus ablehnen und einen Anspruch erheben, Wahrheit als unverhandelbar festzulegen und andere Perspektiven abzuwerten. Dabei muss Demokratie die Grundhaltung kirchlichen Handelns sein; dieser Überzeugung ist der BDKJ Speyer und beruft sich dabei auch auf die katholische Kirche in Deutschland, die sich wiederholt zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekannt hat. „Wenn einfache Antworten auf komplexe gesellschaftliche Fragen gegeben, Vielfalt und Gleichberechtigung infrage gestellt werden und die religiöse Praxis Menschen unter Druck setzt, dann ist das aus unserer Sicht nicht nur eine theologische Position, sondern ein Problem für unsere Demokratie und Kirche“, erklärt Michael Schnell, Antragstellender und Geistliche Leitung der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) Speyer.
Auch im Bistum Speyer bestehen Kooperationen und Gruppierungen, welche aus Sicht des BDKJ Speyer kritisch zu betrachten sind. Der Verband sieht hier konkrete Risiken für die angesprochenen Kinder und Jugendlichen, da neben fehlenden fachlichen Standards und Kontrollmechanismen auch eine problematische Vermischung von Seelsorge und Therapie zu beobachten ist. Thomas Held, Diözesanvorsitzender des BDKJ Speyer und Kinderschutz-Fachkraft, verdeutlicht: „Für unsere Arbeit ist es oberstes Gebot Kindern und Jugendlichen einen Schutzraum für ihre persönliche, soziale wie auch spirituelle Entwicklung zu bieten. Deshalb ist für uns nicht nur die qualifizierte Schulung von Leitungen hinsichtlich der Prävention von sexualisierter Gewalt selbstverständlich, sondern auch die kritische Reflexion von Machtstrukturen. Diese und weitere Kriterien fordern wir auch für alle Gruppierungen, die Kinder und Jugendliche in unserem Bistum ansprechen“.
Verantwortung des BDKJ Speyer und des Bistums Speyer
Der BDKJ Speyer sieht sich hier auch klar selbst in der Verantwortung, wie Dominik Schek, Geistliche Verbandsleitung des BDKJ Speyer, betont: „Wir müssen fundamentalistischen Tendenzen klar entgegentreten. Dafür braucht es zunächst eine fundierte Auseinandersetzung mit christlichem Fundamentalismus. Unser Plan ist es Bildungsangebote auszubauen und auf unseren Social-Media-Kanälen dazu aufzuklären. Zudem müssen unsere Standards für den Kinder- und Jugendschutz im Hinblick auf geistlichen Missbrauch ausgebaut werden.“
Zugleich stellt die Versammlung auch klare Forderungen an das Bistum Speyer. So soll die Zusammenarbeit mit Gruppen, die fundamentalistische Tendenzen aufweisen, Personen aus dem Spektrum einladen oder der freiheitlich demokratischen Grundordnung widersprechen, überprüft und Konsequenzen daraus gezogen werden. „Uns ist es wichtig, dass das Bistum klare Kriterien für zukünftige Kooperationen und Förderungen entwickelt und diese dann auch umsetzt. Kirche muss Verantwortung für ihr Handeln tragen – gegenüber den Menschen, aber auch gegenüber der Gesellschaft“, bekräftigt Michael Schnell.
In den kommenden Wochen und Monaten will sich der BDKJ Speyer mit seinen Jugend- und Regionalverbänden intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und mit Entscheidungsträger*innen ins Gespräch dazu kommen.